Jeder Angreifer braucht einen Vorwand, um seinen Angriff moralisch zu legitimieren. So war es beim "Vietnamkrieg", als Nordvietnam 1964 die Supermacht USA mit einem Anschlag auf ein Schiff der US-Marine "überfiel", das friedlich im Golf von Tonking auf den Wellen schaukelte. Die USA wehrte sich und bombte Vietnam zur Strafe zurück in die Steinzeit. Es dauerte nicht lange, da war der getäuschten und gefügig gemachten Öffentlichkeit klar, dass die USA diesen Vorwand selbst inszeniert hatte. Doch obwohl die Weltöffentlichkeit nach Strich und Faden belogen und betrogen wurde, konnten die Invasoren über Vietnam Tag für Tag weiter ihre Tod bringenden Bomben abwerfen.
Und so ist es auf dem Amselfeld, über dem die Falken weiter kreisen. Kein serbisches Massaker in Racak, kein serbisches KZ in Prishtina, keine aufgedrehten Gashähne in albanischen Hütten und kein serbischer Hufeisenplan. Alles Lüge. Wie beim Krieg der USA gegen Vietnam so wurde auch beim NATO-Krieg gegen Jugoslawien der Weltöffentlichkeit derart der Kopf verdreht, dass sie nicht mehr wusste, wo hinten und vorne war. Der Klapperstorch brachte die Babys, die NATO den Frieden, so wurde erzählt. Der Krieg war legitimiert und Deutschland mischte an der Seite der USA mit.
Die kalte Manipulierbarkeit der Massen für heiße Kriege, dass ist die bittere Erfahrung, die in diesem Jahrhundert immer wieder gemacht werden musste, lehrt uns insbesondere Marina Achenbach im FREITAG (Nr. 11, v. 09.03.2001, in: "Die Attitüde der Ratlosigkeit hat sich erschöpft"). Jede x-beliebige Haltung, jedes Dafür und Dagegen kann künstlich erzeugt werden. Und jeder Kriegsgrund kann medienwirksam in Szene gesetzt werden.
So geschieht es im Nachen Osten. Dort lieferte Ariel Scharon, der Hardliner unter den israelischen Politikern, für die neue palästinensische Intifada, den Jugendaufstand mit Steinen gegen Gewehre, den Vorwand, als er den Tempelberg betrat. Die Palästinenser waren vorbereitet und wartete nur auf einen Anlaß. Scharon wusste davon und setzte bewusst die Spirale der Gewalt in Gang. Warum? Um aus der Zwickmühle von "Land für Frieden" zugunsten eines Palästinenserstaat welches zulasten einer mangelnden Sicherheit und somit schwindenden Existenzrecht auf israelischer Seite gehen wird, zu kommen. Und im Nahen Osten gilt immer noch das Recht des Stärkeren.
Nun, nachdem die Stimmung für einen Rechtsruck "künstlich" geschaffen war, auch die Taube Rabin mußte erst einmal aus dem Weg geschossen werden, wurden die Rechten, die Hardliner, die Falken, die alten Krieger - ganz wie man möchte und vor allem - ganz legal gewählt und mit ihnen die Option auf einen neuen Nahost-Krieg. Unter Führung von Ministerpräsident Scharon und Kriegsminister Ben-Eliezer werden nun die Vorbereitungen getroffen, um mal wieder für längere Zeit vor Steineschmeißer aus Araberhütten und Hisbolla-Angriffen aus dem Libanon Ruhe zu haben. Dieser Grund ist aber der kleinere. Viel wichtiger ist die Ausgangslage für die kommende Situation: Und die heißt schwindende Erdöl- und Erdgasvorkommen. Beim Kampf um die letzten Tropfen wird nämlich der Schutzmacht USA das Hemd näher sein als der Rock.
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Autor: © Stefan Pribnow, Berlin
Erstverwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
Errstveröffentlichung: www.kalaschnikow.de
Update: Berlin, 14.03.2001
Quelle: www.roter-salon.info
Update: Berlin, 11.01.2002