(dpa) Als Vergeltung für die Welle blutiger Anschläge palästinensischer Extremisten in Israel haben israelische Kampfhubschrauber am Mittwochabend Ziele in den Städten Ramallah und Gaza mit Raketen beschossen. Dabei wurde in Ramallah im Westjordanland mindestens ein Palästinenser getötet, etwa 20 weitere erlitten in beiden Städten Verletzungen.
Nach den Angriffen auf Büros der "Force 17", der Leibwache von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, dem Israel Mittäterschaft bei der jüngsten Terrorwelle vorwirft, fiel der Strom aus, die Städte versanken in völliger Dunkelheit. Arafat verurteilte die Angriffe als "nicht gerechtfertigte Aggression" Israels.
Kurz vor den Angriffen hatte er von israelischer Seite eine Warnung erhalten. Daraufhin wurde das Hauptquartier des Palästinenserführers in Ramallah geräumt. Nach etwa fünf Angriffswellen der Kampfhubschrauber demonstrierten tausende wütender Palästinenser am späten Abend in den Straßen Ramallahs, viele von ihnen feuerten Schüsse in die Luft.
Am Morgen hatte sich ein palästinensischer Selbstmordattentäter an einer Tankstelle nahe der israelischen Stadt Kfar Saba in die Luft gesprengt und dabei zwei jugendliche Religionsschüler mit in den Tod gerissen. Vier weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich der militärische Arm der radikal-islamischen Hamas-Organisation. Die Gruppe kündigte weitere Selbstmordattentate in Israel an. Die USA verurteilten die Anschläge scharf und forderten Arafat zur Eindämmung der Gewalt und Israel zur Mäßigung auf.
Kurz nach dem Bombenanschlag, dem dritten binnen 24 Stunden, verhängte die israelische Armee eine totale Blockade über die Stadt Kalkilia im Westjordanland, aus der der Attentäter gekommen sein soll. Bereits am Dienstag waren bei zwei Bombenanschlägen in Jerusalem 35 Israelis zum Teil schwer verletzt worden. Ein palästinensischer Selbstmordattentäter kam dabei ums Leben. Fast gleichzeitig mit dem neuen Anschlag wurden in zwei zentralisraelischen Städten weitere Zeitzünderbomben entdeckt und unschädlich gemacht.
Wenige Stunden vor dem neuen Anschlag hatten die USA im Weltsicherheitsrat in New York erstmals seit vier Jahren ihr Veto eingesetzt, um die Entsendung von UN-Beobachtern zum Schutz der palästinensischen Bevölkerung vor Übergriffen israelischer Sicherheitskräfte zu verhindern.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon kritisierte Arafat nach dem Anschlag scharf und nannte ihn "Anführer des Terrors". Der israelische Armeesender meldete, Scharon habe ferner gesagt, die Situation könne "so nicht weitergehen". Israel müsse seine Abschreckungsfähigkeit wiedererlangen. Rechte Kreise hatten die anfängliche Zurückhaltung Scharons scharf kritisiert und ein härteres Vorgehen gegen die Palästinenser gefordert. Vor allem die Siedler forderten die Armee auf, Teile der autonomen Palästinensergebiete erneut zu besetzen, von denen die Gewalt gegen Israel ausgeht.
In einer offiziellen Stellungnahme der israelischen Regierung, die während einer Sondersitzung des engsten Ministerkreises um Scharon in Jerusalem veröffentlicht wurde, hieß es am Abend, man habe "sorgfältig ausgesuchte Ziele" beschossen, um Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. "Die Autonomiebehörde ist verantwortlich für den Terror." Israel forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, Einfluss auf die Palästinenser zu nehmen, damit diese die Anschläge in Israel stoppen. Anderenfalls werde man weiter von Israels "Recht auf Selbstverteidigung" Gebrauch machen.
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Autor: © Stefan Pribnow
Erstverwertung: Philosophischer Salon
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.de
Update: Berlin, 29.03.2001
Quelle: www.roter-salon.info
Update: Berlin, 11.01.2002