S t e f a n    P r i b n o w

 
     
Bericht vom Esperanto-Pfingstlager 2001
Tanztee auf Burg Klempenow
Burg Klempenow aus der Luft. Foto: AK Foto



Die Esperanto-Jugend begibt sich einmal im Jahr auf große Fahrt. Zu Pfingsten reisen Sie an, diejenigen, die, wenn sie sprechen, man nicht versteht, welche sich aber überall auf der Welt mit nur einer Sprache - Esperanto nämlich - bequem verständigen können. Und auch wollen.

Nur zu Pfingsten nicht, es sei denn, ein Besucher wäre am heimischen Herd, "der unsere Sprache nicht spricht". "Dann wird - Ehrensache - sofort auf Esperanto umgestellt", so Viola Wallich von der Organisation. Gut also für den Autoren dieser Zeilen, daß man unter sich blieb.

Denn überwiegend kamen die jungen Leute überwiegen aus östlichen Landesteilen. Ich reiste mit dem "schönen" Wochenendticket in regnerische Tage nach Mecklenburg-Vorpommern. Die Zugfahrt versprach ein Genuß zu werden, denn ein Mitglied der Reisecrew verbrachte den vorherigen Abend in der Küche. Doch dummerweise blieb der Reiseproviant den Daheimgebliebenen vorbehalten und so mußte man sich wohl oder übel auf das erste Schlemmermenue auf Burg Klempenow freuen.

Der Burgherr holte unser kleines Berliner Grüppchen am Bahnhof ab. Wir stiegen vom Regionalexpress in einen Volkswagen und kein Viertelstündchen später standen wir vor den Gemäuern von Burg Klempenow.

Die Burg Klempenw ist eines der ältesten Baudenkmäler Vorpommerns. Sie wurde wahrscheinlich von 1240 bis 1250 als wehrhafte Burg erbaut. Im Jahr 1269 wird sie als “castrum clempennove” erstmals urkundlich erwähnt. Ihr Nordflügel verbirgt die Reste eines der ältesten norddeutschen Ständerbauten.
Die Burg war pommersch, gehörte von 1631 bis 1675 und von 1679 bis 1720 den Schweden und danach zur preußischen Provinz Vorpommern. Sie hatte als Grenzfeste bis etwa 1762 große Bedeutung und war später königliches Amt mit wichtigen Archiven und Domäne.
Etliche Um- und Ausbauten veränderten sie im Laufe der Jahrhunderte, nach dem letzten Weltkrieg verfiel sie zusehends.

"Im Mittelpunkt unserer zukünftigen Arbeit", so ließ unser edler Ritter Elmar Langner, Koordinator vom Kultur-Transit-96 e.V., wissen, der uns behilflich war und - kaum waren wir dem Auto entstiegen -, sofort mit auf eine Führung durch die Anlage nahm, "steht die Burganlage als Lebendiges Denkmal. Deshalb arbeiten wir einerseits neben der Sanierung der noch bestehenden Seitenflügel im Westen und Süden an der Gestaltung der Burganlage, um an verlorengegangene Teile (den zweiten Turm, Teile von Wehrmauer und -gang, den Ostflügel, das Renaissance- Hauptgebäude, den Gutspark) zu erinnern und die Burg als kompakte Wehranlage und Grenzburg erlebbar zu machen." So steht es auch auf der Internetseite unter www.burg-klempenow.de geschrieben.

"Die Esperanto-Jugend bringt also Leben in die Bude", so Norbert Valtin, Mitorganisator des Pfingstzeltens, der gleichzeitig ein Mitglied des Burg-Vereins ist. Getanzt wurde. Und zwar Volkstanz zu den Klängen der Gruppe Folkinger aus Berlin. Und damit die bunte Truppe nicht ins Stolpern kam, gab es immer mal wieder Unterricht in Sachen Schrittfolge.

Wer nicht tanzen wollte, vertrieb sich mit Indiakaspielen die Zeit, luchste nach der nächsten Lücke in der Wolkendecke, um ein wenig Sonne abzubekommen oder bereitete Kaffee, Tee und schon mal das nächste Mahl mit vor. Eine gute Hausmannskost scheint üblich zu sein und so blubberte auf dem Dreispitz mal eine gute Suppe oder kühlte ein zünftiger Nudelsalat. Bei Bier und Wein wurde später in gemeinsamer Runde geplaudert. Auf dem Zeltplatz brannte ein Lagerfeuer. Irgendwo spielte jemand Gitarre, dazu wurde bis spät in die Nacht gesungen und die ganze Zeit über buddelten Kinder im Sand wie es ihnen gefiel. Die Esperanto-"Jugend" brachte ihren Nachwuchs mit.

Leider war das Vergnügen nur von kurzer Dauer und pünktlich mit dem Regen hörte das Pfingstlager auch schon wieder auf.
Wer nun mehr über Esperanto in Deutschland wissen möchte, der surfe zu www.esperanto.de und nehme den ersten Kontakt auf.

  • Autor: © Stefan Pribnow
    Erstverwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.de
    Update: Berlin, 06.06.2001
    Quelle: www.roter-salon.info
    Update: Berlin, 11.01.2003