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Hochprozentiges aus dem Sozialisten-Würfel
'Take it Gysi' Sahra Wagenknecht
Foto: AK Foto



In der aktuellen Konkret (Nr. 8/2001, S. 28ff.) führt Jürgen Elsässer ein Gespräch mit Sahra Wagenknecht, wobei er auf "das Gespenst, das im Berliner Wahlkampf umgeht" zu sprechen kommt. Der Antikommunismus ist gemeint, zu der Wagenknecht äußert: "SPD und auch CDU haben offenbar Angst, daß ihre Sparorgien irgendwann doch zu sozialen Protestbewegungen führen könnten. Nur um dieser Gefahr zu begegnen, denkt die SPD doch darüber nach, die PDS in den Senat zu holen. Die CDU wiederum sucht alte Frontstadtmentalitäten zu reanimieren, um der SPD Stimmen abzunehmen. ... Die Absicht ist natürlich, uns als tumben, von den anderen Parteien kaum mehr unterscheidbaren Sparkommissar einzubinden. Wenn nun auch schon Teile der PDS ins Privatisierungshorn blasen und Rotstiftkonzepte entwickeln, besteht die Gefahr, daß selbst unsere reformerischen Forderungen auf der Strecke bleiben. Dann wird die PDS überflüssig."

Sozial- und Christdemokraten sollen es mit der Angst zu tun bekommen? Und das wohl weniger vor semiautonomen Kreuzberger Kiezwadenbeißern, als vielmehr vor Datschendödel aus Hellersdorf und Marzahn? Offensichtlich ist es um die Interpretationsmöglichkeiten von Wagenknecht nicht gut bestellt.
Jeder weiß, daß die Gesellschaft der Ort konfligierender Interessen ist. Und das es in der Regierungs- und Hauptstadt eines Staates besonders hochhergeht, auch das dürfte ein Allgemeinplatz sein. Tummeln sich in Berlin doch die Vertreter aller Länder, Organisationen und Institution, glitzernde Gestalten des kulturellen Überbaus, wie grauhaarige Herren aus Produktion und Distribution sowie Vertreter derer, die das bewerkstelligen. Die Männer des Bündis für Arbeit, die Freunde des Korporatismus, also Leute, die die Fortsetzung neoliberaler Politik mit autoritär-etatistischen Mitteln bevorzugen, auch diese halten ihre Gegner gern in Schach, insbesondere vor Ort, und wünschen sich, das wäre dann eine nachvollziehbare These, die PDS als indischen Hauselefanten, die wilden Dickhäuter einfangend und domestizierend. Stehen die fetten Bierbäuche aus Berliner Plattenbauten, auch die Gropiusstädter wie die aus dem Märkischen Viertel sind gemeint, allen Ernstes vor Aufständen? Woher aber sollen dann Wagenknechts Revolteure kommen?

Daß die Führung der PDS willig und billig ist, Erregungsbewegte in ihren Kreis aufzunehmen, zeigt das Berliner Wahlkampfduo Gysi/Pau, das nicht müde wird, ihre Wähler - und alle, die es werden wollen - davon zu überzeugen, daß sie die wahren Volksvertreter seien, die der kleinen Leute eben. Zugleich sendet die Partei aus dem Karl-Liebknecht-Haus dem politischen Gegner in permanenter Penetranz die frohe Botschaft, immer schon angekommen zu sein, wenn es darum geht, den Gürtel enger schnallen zu lassen.

Genau diese Kleinbürger aus dem ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat feierten mit ihrer Politprominenz dann auch den Wahlkampfauftakt in "GysisWahlQuartier", kurz: Sozialisten-Würfel. Weit über 1000 Gäste kamen zur 'Opening Party mit Gregor', plünderten in Windeseile das Kalte Buffet und süffelten ihr Bürgerbräu. Ein Klaviervirtuose spielte auf. Die Festgesellschaft besang die "Partisanen vom Amur" und aus mitgebrachtem Wodka wurde fröhlich eingeschenkt. Bei Hochprozentigem und guter Laune läßt sich der schwere Alltag leicht verdauen. Immer munter einschenken - auch das ist eine Aufgabe der PDS in Berlin. Wagenknecht und Co werden die Stimmung kaum vermiesen.

Mehr unter:
www.take-it-gysi.de

  • Autor: © Stefan Pribnow, Berlin
    Foto: AK Foto, entnommen aus NEUES DEUTSCHLAND v. 04./05.08.2001
    Erstverwertung: Philosophischer Salon
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.de
    Update: Berlin, 12.08.2001
    Quelle: www.roter-salon.info
    Update: Berlin, 11.01.2003