
Während der Regierende Bürgermeister in Bonn weilte, blieb Peter Strieder, SPD-Landesschef in Berlin, in der deutschen Haupt- und Regierungstadt. Er mußte verkünden: "Investoren gehen da hin, wo sie gut arbeiten können. Selbst nach China." Mit diesen Worten verteidigte Strieder die Übernahme des Wirtschaftsressort durch Captain Gysi und verwies auf die Wachstumszahlen im Reich der Mitte.
Ha! "Flotte Srüche von glattrasierten Wendehälsen würden bei Unternehmern nicht verfangen", pöbelte Günter Rexrodt aus dem Interconti. Noch im Wahlkampf forderte die Partei der Besserverdienenden "Rexrodt statt Rot-Rot". Daraus wurde nichts. Auch die Sonnenblumenpartei sitzt wieder hinten. Sibylle Klotz, von den Grünen, wird Wunden lecken und will die Regierung "nicht verschonen". Das Gerede kennt man.
Daß die Ampel nicht zustande kam, resümiert Klotz, habe nicht an den Inhalten gelegen. Mit diesem Fazit spielt sie darauf an, daß die SPD ihre Positionen nicht stark von den einen zu der anderen Koalitionsverhandlungen wandelte. Die PDS hat sich aber auch nicht groß gewendet. Alles eins denken sie?
Gysi wird Wirtschaftssenator. Sowas hat der Pressesprecher des Sozialismus noch nie gemacht. "Noch bin ich in einem Alter, wo man Neues versuchen kann," freut er sich auf die mit Opposition begonnene Veränderung.
Kritik an Rot-Rot kam dieser Tage aber auch aus allen Rohren. Den Sozialdemokraten wäre zwar die Ampel lieber gewesen, das wollte auch der Kanzler, doch allesamt beißen sie jetzt in den sauren Apfel und halten den Mund. Außnahme Markus Merkel: "Ich halte die Koalition für problematisch." "Fehlende Glaubwürdigkeit im Wahlkampf der SPD", spricht der gelernte DDR-Bürger Merkel an. Als wenn es darum ginge.
Die FDP wirft der SPD vor, sich selbst aufzugeben. Die Olivgrünen haben mittlerweile Angst, so zischt es zwischen den Zeilen, daß die PDS der einstigen Friedenspartei den Rang abläuft. Der allseits unbeliebte Bundestagsabgeordnete Schulz (B90/Grüne), der ewige SED/PDS-Ärgerer, meckerte wie Merkel und verwies auf Mauertote.
Konrad Weiß, DDR-Bürgerrechtler mit Pensionsanspruch, trat sogar aus den Bündnisgrünen aus und sagte: "Ich glaube, daß da ein Ziel verfolgt wird. Es geht der PDS ... um Macht. Das sieht man auch ganz deutlich im Koalitionsvertrag." Wo Weiß Recht hat, hat er Recht. Darum geht es schließlich allen Parteien.
Doch bekommen sie nicht die Macht im Staate, sondern machen auf staatsmännisch. Das ist der Unterschied, der auch für die Genossen gilt.
Auch mit Gysi bleibt die Bundeshauptstadt die des deutschen Kapitals und wird nicht zur Stadt des (sozialen) Friedens.
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Autor: © Stefan Pribnow, Berlin 09.01.2002
Foto: AK Foto
Erstverwertung: Philosophischer Salon e.V, Berlin
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.de
Update: Berlin, 09.01.2002
Quelle: www.roter-salon.info
Update: Berlin, 11.01.2003