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Die K-Frage in den C-Parteien
Oder: Auch Möllemann will Kanzler werden
Artikel entnommen aus der Homepage von Jürgen W. Möllemann



Die CSU hat während ihrer Winterklausurtagung in Wildbad Kreuth Kraft getankt, Bierkrüge gestemmt und sie hat Edmund Stoiber, den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Parteichef, in den Ring geworfen. Gut, da haben wir ihn schon lange liegen sehen; doch jetzt ist es offiziell. CSU-Landesgruppenchef Glos umgarnte daraufhin erneut die große Schwesterpartei. "Wenn wir die volle Unterstützung der CDU haben ...", frohlockt der Weißwurstsadist, dann könne nichts mehr schiefgehen.

Dieses unmoralische Angebot solle bei einem Vier-Augen-Gespräch von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel höchstselbst kommen. Das will auch der CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz nicht anders, der sich am Wochenanfang erneut vor alle Kameras und erstmalig hinter Stoiber stellte. Merz sprach in der ARD davon, daß Stoiber bei einer Abstimmung in der Fraktion als Favorit gelte. Merkel muß, will sie eine Kampfabstimmung in der Berliner Unionsfraktion verhindern und mit einem blauen Auge davonkommen, zustimmen. Doch die ostdeutsche Protestantin hat Visionen und verkündete - ebenfalls in der ARD -, daß sie "klare Vorstellungen" davon habe, "wie ich als Bundeskanzlerin mit anderen zusammen vieles besser machen kann".

Mag ja alles sein. Doch in Noelle-Neumanns Umfragen liegt die ehemalige FDJ`lerin da, wo auch Allensbach sie sieht, wo der ganze Osten liegt: weit abgeschlagen. Doch die Mehrheit der Partei, zumindest zeigten das die mit Buschzulage ausstaffierten (heißt jetzt wieder wie früher: Spesen) Delegierten auf dem Bundesparteitag der CDU in Dresden, mögen Angie, finden "eine Frau als Kanzler" echt okay.

"Auch wenn`s Konkurrenz gibt, es ist der Wille da, Rot-grün aus dem Amt zu drängen", spinnt Glos in Sachen Lagerwahlkampf den Faden weiter. Stoiber setze nach wie vor auf eine einvernehmliche Einigung mit Merkel - noch im Januar. "Alles andere wäre sicherlich nicht der optimale Einstieg in eine Auseinandersetzung mit Rot-grün", so Stoiber und lenkt den Blick von Personen auf Positionen: "Sie überbewerten auch die Personalfragen. Das (Wähler-)Potential schöpfen wir nur aus, wenn wir als eine kompetente Alternative angesehen werden." Stoiber will die Millionen von Menschen aus dem bürgerlichen Lager. Vor allem will er sie nicht enttäuschen. Er wird also einen Wirtschaftswahlkampf führen. Auf dem außenpolitischen Felde wird er sich nicht schlagen. Das erledigen 'unsere' Soldaten.

Einen Rechtsruck solle es mit Stoiber jedoch nicht geben, dämpft Glos Ängste und verweist diesbezüglich auf das liberale (Wirtschafts-) Klima in Bayern. Glos: "Wir haben mit der CDU in der Zuwanderungsfrage keine Differenzen." Diese Zuwanderungsfrage - daheim auch gern Ausländerfrage genannt - mit einem Kuhhandel in Personanfragen zu beantworten, daran dächten in Bayerns CSU niemand. Nicht einmal in den dunkelsten Träumen.

Aber eine dunkle Vergangenheit, die gab es. Mit sechs Kandidaten trat die Union bisher für Bundestagswahlen an. Fünf kamen aus der CDU, von Adenauer bis Kohl, und einer nur, Franz-Josef Strauß, kam von der CSU durch. Strauß konkurrierte damals mit Ernst Albrecht (CDU) und gewann. Dann wollte die Linke Strauß stoppen. Gegen die Linke auf der Straße trat Strauss 1980 Helmut Schmidt (SPD) gegenüber. Sie kennen den Ausgang. Nördlich des Weißwurstäquators konnte Strauß nicht siegen. Auch nicht mit Adlatus Stoiber, der damals seine rechte Hand war.

Aber auch im Vorwahlkampf innerhalb der Partei erzielte der bajuwarische Mann nur 135 Ja- und 102 Nein-Stimmen. Knapp kürte ihn die CDU zum Kandidaten. Das hatte seinen Grund: Ebenfalls in Wildbad Kreuth kündigte Strauß einst die Unionsfraktion mit der CDU auf. Das verzieh die große Schwester dem Bayern nie. Im Konrad-Adenauer-Haus am Rhein hieß es lapidar: Ein Bayer kann nun einmal nicht Kanzler aller Deutschen werden.

Die Zeiten haben sich geändert. "Die Vorurteile Ost gegen West, Nord gegen Süd haben sich aufgelöst", glaubt Glos. Wir bekämen nicht die gleichen Schwierigkeiten, auf die Strauß gestoßen sei. Das mag sein. Aber wer immer im Vorkampf für die C-Parteien die K-Frage beantwortet, auf den wartet in der bürgerlichen Ecke noch einer, der Kanzler werden möchte!

Es ist: Super-Jürgen. Jürgen W. Möllemann weiß 18 Prozent der Bürgerlichen hinter sich. Und ist nicht Autokanzler Schröder ein Mann der Mitte? Der Sozi wird im Ring mit ruhiger Hand stehen. Rechtsausleger Stoiber wird hin und wieder abgewatsch werden, woraufhin Möllmann den Massen zujubelt. Gewiß, so wird es sich zutragen.

Und Angela Merkel wird zum Trost die erste Präsidentin der Repubilk. Damit kann man leben.

Surfen auch Sie zur Homepage von Jürgen W. Möllemann www.juergenwmoellemann.de, um zu gratulieren.

  • Autor: © Stefan Pribnow, Berlin 09.01.2002
    Foto: AK Foto
    Erstverwertung: Philosophischer Salon e.V, Berlin
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.de
    Update: Berlin, 09.01.2002
    Quelle: www.roter-salon.info
    Update: Berlin, 11.01.2003