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Stoiber nimmt Fahrt auf
Der Kurs bleibt steuerbord
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Beim Frühstück habe Merkel Stoiber gesagt, daß er Kanzlerkandidat der Union werden solle. Eine angenehme Anekdote für die deutsche Christenpartei. Aber die soll man sich jetzt erzählen.

Angela Merkel blieb in Magdeburg nur eines übrig: Die Flucht nach vorne und die frühzeitige Aufgabe der Kanzlerkandidatur.

Weite Teile der CDU stehen hinter Stoiber. Die CSU sowieso. Und hinter Stoiber stehen die deutschen Industriellen, die deutschen Banken, Rom. Wer hätte da schon hinter Merkel stehen wollen? Stand sie doch selbst oft neben sich, wie noch vor ein paar Jahren an der Seite des Alten, an der Seite von Helmut Kohl.

Man kann ihr vorwerfen, auf eine Zusammenarbeit mit Stoibers verzichtet zu haben. Auch war sie nicht in der Lage - weniger willens -, Bündnisse innerhalb des bürgerlichen Lagers in Deutschland und innerhalb ihrer Partei zu schließen. Sie stand in Partei und Fraktion alleine da. Sie war nur die Kandidatin des Übergangs. Vielleicht hätte man es ihr sagen sollen. Vielleicht kann man ihr nachsagen, zumindest programmatisch sich nicht ganz so weit rechts positioniert zu haben, wie Stoiber, Müller und der kommende Koch. Und das dankten ihr viele einfache Parteitagsdelegierte. Mehr aber auch nicht.
Selbst der Saarländer Peter Müller, um nur ein Beispiel zu geben, dessen Vorschläge zur Zuwanderung von Stoiber einfach weggewischt wurden, stellte sich schnell Gewehr bei Fuß und in die richtige Reihe. Stoiber läßt antreten. Er ist einer der rechtesten Kandidaten, den die Union je hatte und er will die Führung im Staat in einer Zeit, in der Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein Vize Fischer außenpolitisch einen Teppich ausgelegt haben, den Helmut Kohl seinem Nachfolger nie hätte bereiten können.

Der "echt deutsche" Biedermann Edmund Stoiber wird, wenn er weiterhin in der Gunst der Wähler aufholt, die politische "Mitte" - und den Norden der Republik - erobern, Rot-Grün aus dem Amt jagen und Deutschland außenpolitisch zur europäischen Hegemonialmacht mit weltweitem Einsatzgebiet ausbauen. Damit könnte ein Ausweg aus dem Status des USA-Vasallen gefunden werden. Ob es ein guter Ausweg wird?

Und auch innenpolitisch hat Sozialdemokrat Otto Schily zum Ende der Legislaturperiode derart die Kurve gekriegt, bei der selbst eine Art Bundes-Beckstein als künftiger Innenminister anfangs kaum weiter rechts ausscheren könnte. Allerdings würde auf der rechten Fahrspur stur am rechten Rand gefahren. Im Notfall - für die Herrschenden - kanns ganz schnell schlechter werden für die verbliebenen Fortschrittlichen in diesem Land.

  • Autor: © Stefan Pribnow, Berlin 11.01.2002
    Foto: AK Foto
    Erstverwertung: Philosophischer Salon e.V, Berlin
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.de
    Update: Berlin, 12.01.2002
    Quelle: www.roter-salon.info
    Update: Berlin, 11.01.2003