
Lange Zeit haben die Protagonisten des Projekts, das 1995 seine Geburtsstunde unter eben dem reiz- wie klangvollen Namen Kalaschnikow erlebte, keine größere öffentliche Veranstaltung mehr organisiert. War aus Anlaß des Todestags von Benno Ohnesorg, der protestierende Student aus Westberlin, dieser noch bestens dazu geeignet, als das Todesopfer eines gereizten Staates, an die jüngste Geschichte der politischen Linken in der Bonner Republik zu erinnern und aus ihr Perspektiven für die kommende Entwicklung abzuleiten, so war der Benno-Ohnesorg-Kongreß von Anfang Juni 1997 doch ein Bewegungskongreß, um alte wie neue Linke anzustacheln. Eine politische Bewegung, die sich nicht bewegt, muß angetrieben werden zu neuen Taten und besseren Tagen, um nicht aufgerieben zu werden zwischen den Mahlsteinen von Anpassung und Isolation.
Damals waren wir bemüht, möglichst viele Persönlichkeiten und Gruppierungen aus dem linken politischen Spektrum, in erster Linie in Westberlin, zum Mitmachen zu gewinnen. Der Stein des Anstoßes war schwer ins Rollen zu bringen. Plötzlich sollte es einen Gegen-Kongreß autonomer Kiezwadenbeißer im Berliner Mehringhof geben. Doch weder hüben noch drüben war die Hauptstadt-Linke aus dem Tal zu heben, in dem sie 1989 versank. Während der eine Teil der außerparlamentarischen Linken (insbesondere Bahamas, jungle World und Konkret) den Hype der Anti-Deutschen kreierte, scheute der andere Teil nicht die Mühen der Ebene und machte weiter auf Internationalismus (insbesondere junge Welt und Kalaschnikow) und engagierte sich in der sog. Antiglobalisierungsbewegung, um gegen die Neue Weltordnung zu streiten.
Nun sitzen wir mitten drin im globalen Dorf, in der Berliner Republik. Deutschland führt wieder Kriege. Panzer rollen durch die Prärie. Und auch hierzulande kriecht die soziale Kälte durch die Straßen. Die Zustände, die der Aufstände Wert wären, sie werden nicht besser. Im Gegenteil. Davon wird berichtet. Das kann man erfahren. Wir bitten also nicht erneut zu einem linken Familientreffen, um uns einander zu erwärmen. Nein, diesmal sind wir der alleinige Veranstalter, das jedoch in neuer Präsentation. Als Philosophischer Salon e.V. laden wir - schließlich ist Marx kein toter Hund, sondern des Pudels Kern - alle materialistischen Dialektiker zu einer außenpolitischen Konferenz, um uns über die aktuelle Lage im Trikont, in den rekolonialisierten Ländern ein Bild zu machen. Die Referenten und Diskutanten sollen die wirtschaftliche, politische und kulturelle Lage nach dem "11. September" als Kenner verstanden haben und einschätzen können. Sie sollen erklären, wie es dazu kam, kommen mußte. Und sie sollen aufzeigen, welche Änderungen zu erwarten sind. Am Ende der Konferenz steht - wie immer - die Lenin`sche Frage auf der Tagesordnung. Über das, was man tun muß, können wir uns streiten. Es wird ein Gegenstandpunkt nicht nur zur parlamentarischen Linken deutlich werden.
Ich will hoffen, dass Referenten wie Diskutanden auf unserer außenpolitischen Kalaschnikow-Konferenz am Sonnabend, den 20. April 2002, von 10 bis 17 Uhr, im alten ND-Gebäude, am Berliner Franz-Mehring-Platz 1, halten, was ihr Ruf uns versprach. Einige unserer geladenen Gäste meinen zwar, dass die Waffe der Kritik nicht die Kritik der Waffen ersetzen könne, doch mit ersterem wollen wir uns vorerst begnügen. Dies aber volles Kaliber. Unsere Ergebnisse werden ein paar Wochen später in dieser internationalen Internet-Zeitung Kalaschnikow-Online veröffentlicht werden.
Anmerkungen:
- Vom Amselfeld zum Hindukusch, von Belgrad bis Bagdad. Deutschland führt wieder Krieg. Beitrag von Charly Kneffel in Kalaschnikow-Online.
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Autor: © Stefan Pribnow, Berlin 16.04.2002
Foto: AK Foto
Erstverwertung: Philosophischer Salon e.V, Berlin
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.de
Update: Berlin, 17.04.2002
Quelle: www.roter-salon.info
Update: Berlin, 11.01.2003