Positivist Popper, Autor von: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde
Mit Beginn dieses Jahres stellten wir unseren Leserinnen und Lesern eine weitere Neuheit in ihrer internationalen Internet-Zeitung Kalaschnikow-Online zur Verfügung: das Forum. Nach kurzer Zeit wurde unser Forum für alle Leserinnen und Leser der Kalaschnikow angenommen. Dann meldete unser ehemaliger Provider Insolvenz an und wir wechselten die Server. Nun bieten wir dieses, unser Forum seit Anfang Juni wieder an; doch diesmal lief alles etwas schleppend. Mit dem Eintrag von "Rotbart" vom 1. Juli d.J. sollte sich das ändern. Dieser Rotbart eröffnet ein neues Thema unter "Neue 'wir selbst'-Ausgabe erschienen!" und preist die aktuelle "Zeitschrift für nationale Identität" aus dem Bublies-Verlag an nicht ohne darauf hinzuweisen, daß sich die 'linken Leute von rechts' um das Koblenzer Magazin sammeln würden und zitiert aus der Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte", der Wochenzeitung "Das Parlament" v. 10.01.1992. Dort wird der "'wir selbst' ... eine beachtenswerte Sonderrolle im weiten Umfeld der Neuen Rechten" attestiert, in der "linksnationalistisch-antikapitalistische Strömungen in der nationalrevolutionären Tradition eines Ernst Niekisch oder Otto Strasser" eine Rolle spielten.
Am 10. Juli dann findet eine "Rote Laterne" es ekelhaft, daß auf den Seiten der nationalbolschewistischen (?) 'Kalaschnikow' Werbung für solche neurechten Postillen gemacht werde.
Nun ist erst einmal "Postillen" ins Singular zu setzen und festzuhalten, daß sich auf den Seiten der internationalen Internet-Zeitung Kalaschnikow-Online seit Monaten keine geschalteten Anzeigen befinden. Auch auf der deutschsprachigen Version wird kein fleißiger Surfer beim Durchklicken auch nur einen einzigen ordentlichen Werbebanner ausfindig machen können. Trotzdem bliebe die "Schleichwerbung" des Rotbarts im Forum.
Mit Recht weist Kalaschnikow-Redakteur Horst-Udo Schneyder darauf hin, daß "selbst 'Rote Laternen'" im Forum schreiben dürften. Grundsätzlich sind wir der Meinung und halten auch nach dieser Debatte daran fest, daß das Forum den Lesern gehört und diese dort ihre Meinung mitteilen können. Wir glauben auch, daß unsere Leser reif genug sind, mit dem, was sie dort vorfinden, umzugehen. Die Beiträge im Kalaschnikow-Forum stellen klassische Leserbriefe dar, die im Gegensatz zu einem Printprodukt jedoch aufgrund der wunderbaren Möglichkeiten des Internet umgehend online erscheinen. Und das ist durchaus so gewollt.
Das Kalaschnikow-Forum sollte "aber nicht dazu da sein, Werbung zu veranstalten, sondern um zu diskutieren oder zumindest eine Meinung kundzutun", hält Chefredakteur Charly Kneffel am 13.07. richtigerweise fest. Ja, "wir wollen grundsätzlich hören, was die Leute denken und deshalb ist unsere Toleranz, wenn nicht gerade herumgepöbelt wird oder zu Dingen strafbarer Art aufgerufen wird, recht groß. Allerdings bedeutet das nicht, daß wir uns mit den Beiträgen identifizieren." Klarer kann man es kaum formulieren und so wird es bleiben.
Das sieht dann auch der Rotbart ein: "Das mit der 'Werbung' ist vielleicht ein Fehler gewesen" und begründet seinen Leserbrief bzw. Forumsbeitrag damit, daß das Forum so leer aussah. Und auch er stellt klar, daß er es nicht verstehen könne, warum man über Zeitschriften wie "wir selbst" im besonderen oder die "Nation" im allgemeinen nicht diskutieren dürfe. Der Autor der Kalaschnikow-Online, Max Brym, hält das nicht aus und Rotbart für "einen Nazi", um tags darauf nachdrücklich die umgehende Reinigung der Internet-Zeitung vom "nazistischen Schmutz" sowie eine Entschuldigung bei der "Roten Laterne" zu fordern; sonst würde er "kritisch hinterfragen", was an Kalaschnikow noch links sei. Unbarmherzig kritisch hat der Brym dann nicht nachgefragt, sondern damit begonnen, ab 17.07. unabläßlich eine "Öffentliche Erklärung" in das weltweite Web zu senden. Er kündigt nicht nur seine Autorenschaft, sondern fordert "jeden links stehenden Menschen auf, keine Beiträge mehr für Kalaschnikow zu schreiben". Als eine der ersten Autoren schließt sich dieser Aufforderung Kalaschnikow-Redakteurin Gudrun Eussner an. Doch dabei blieb es.
Künftig werden die Leserinnen und Leser von Kalaschnikow-Online also nicht nur auf Max Brym, sondern auch auf Gudrun Eussner verzichten müssen.
Horst-Udo Schneyder, ebenfalls Kalaschnikow-Redakteur, ficht das nicht an. Er werde nicht nur im Forum, sondern "auch im redaktionellen Teil der Kalaschnikow" Position beziehen, einen Gegenstandpunkt zum herrschenden Falschen einnehmen und Partei für die Sache der Belogenen und Betrogenen ergreifen. Was das im "Antisemitismusstreit" zu bedeuten habe, daran läßt er keinen Zweifel: "Die Sache der Palästinenser aber ist es, nicht mehr länger vom israelischen Apartheidsstaat unterdrückt zu werden. Israel ist der Aggressor, nicht Palästina. Israel ist der Besatzer, nicht Palästina. Gegen den Terror des israelischen Staates haben die Palästinenser jegliches Recht und die Geschichte auf ihrer Seite. Ich solidarisiere mich offen und ehrlich, oft auch kritisch, mit dem Widerstand der Palästinenser vor Ort und anderswo gegen einen Staat, der das Doppelte seines Bruttosozialprodukts für sein Militär ausgibt. Ganz Israel ist eine Kaserne und Scharon ist nur der Leiter der Standortverwaltung. Aber all dies werden Anti-Anti-Semiten oder Anti-Deutsche vom Schlage eines Brym wohl nie verstehen."
Heute, am 20.07., stellt ein David dann fest, daß noch "am 18. ein Brief von einer Frau Kaiser unter dem Titel 'Philosemitischer Sermon' (im Forum, d.A.) gestanden hätte." In diesem Brief haue Frau Kaiser Herrn Brym und Herrn Gremliza "in eine Pfanne", meint der David und versteht die "relativ schnelle Entfernung" aus dem Forum als Täuschung und Tarnung.
Kalaschnikow-Chefredakteur Charly Kneffel teilt daraufhin mit, daß der Beitrag von Kerstin-Bettina Kaiser gelöscht wurde, "weil er ungeheuerliche und nicht beweisbare Vorwürfe enthielt" und stellt noch einmal fest, daß nach der "Angelegenheit mit 'wir selbst' Kriterien aufgestellt" wurden, die eigentlich selbstverständlich sein dürften. Für das Forum heißt das: "Alles darf drinbleiben, außer a) Werbung für irgendetwas, b) Rumpöbeleien und c) Zuschriften, die strafbar sind."
Als Herausgeber und Verantwortlicher im Sinne des Presserechts hätte ich, nachdem ich aus dem Kurzschlechtwettersegelurlaub in die warmherzigen Redaktionsstuben nach Berlin zurückkehrte, um freudig vom Redaktionshund Groucho anschlawenzelt zu werden, dieses Forum-"Thema" und sämtliche darin enthaltenen E-Mail-Beiträge löschen lassen können. Daß ein "offenes Forum" auch seine Feinde hat, wer wüßte dies nicht. Wir werden auch dieses aus- und das Kalaschnikow-Forum für alle Beteiligten offenhalten. Wer damit nicht klarkommt, sich weder journalistisch noch wissenschaftlich "streiten" kann, kann gehen. Daß "pseudoaufklärerische Autoren wie Brym ... die lockere Kalaschnikow-Runde wieder verlassen", wie Konrad DeGand sich ausdrückt, wird auch in mir "kein Gefühl der Besorgnis auslösen. Auch wüßte ich nicht zu sagen, worin der Leserschaft dadurch ein Mangel entstehen könnte."
Der definitive Weggang von Gudrun Eussner hingegen ist bedauerlich.
- Autor: © Stefan Pribnow, Berlin 20.07.2002
Foto: AK Foto
Erstveröffentlichung: Philosophischer Salon e.V, Berlin
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.de
Update: Berlin, 20.07.2002
Quelle: www.roter-salon.info
Update: Berlin, 11.01.2003